Statistik

Kapitel 7 · Schätzverfahren

Schätzfunktionen & Güte

📄 Folien:alle Materialien →

Punkt- und Intervallschätzung

Schätzen heißt, Werte für unbekannte Parameter der Grundgesamtheit aus einer Stichprobe zu bestimmen.

  • Punktschätzung: ein einzelner Wert (z. B. xˉ=183,0\bar x = 183{,}0 cm).
  • Intervallschätzung: ein ganzer Vertrauensbereich (nächster Abschnitt).

Die universellen Schätzfunktionen

Eine Schätzfunktion ist eine Formel in den Stichprobenvariablen — und damit selbst eine Zufallsvariable. Die drei wichtigsten gelten unabhängig von der zugrunde liegenden Verteilung (für i.i.d.-Stichproben):

Xˉ=1n∑i=1nXi,S2=1n−1∑i=1n(Xi−Xˉ)2,S=S2\bar X = \frac{1}{n}\sum_{i=1}^n X_i, \qquad S^2 = \frac{1}{n-1}\sum_{i=1}^n (X_i - \bar X)^2, \qquad S = \sqrt{S^2}

für μ\mu, σ2\sigma^2 bzw. σ\sigma. Ein Schätzwert ist der konkrete Wert bei gegebener Stichprobe.

Gütekriterien

KriteriumBedeutung
ErwartungstreueE(θ^)=θE(\hat\theta) = \theta — kein systematischer Fehler
Konsistenzwird mit wachsendem nn immer genauer
Effizienzkleine Streuung, schon bei kleinem nn brauchbar
Suffizienznutzt die gesamte Information der Stichprobe

Genau hier liegt der tiefere Grund für das n−1n-1 aus Kapitel 2: Die Teilung durch n−1n-1 macht S2S^2 erwartungstreu (E(S2)=σ2E(S^2)=\sigma^2); mit nn würde man σ2\sigma^2 im Mittel unterschätzen.

Klausurfalle: Erwartungstreue (im Mittel richtig) ≠ Konsistenz (mit mehr Daten besser). Eine Schätzung kann konsistent, aber für kleine nn verzerrt sein — und umgekehrt.

Quellen:K07 S.418, K07 S.419, K07 S.420, K07 S.421, K07 S.422, K07 S.423

Abruf-Quiz

Frage 1 / 3

Welche Eigenschaft bedeutet, dass der Erwartungswert der Schätzfunktion gleich dem wahren Parameter ist?